Ricardo Domeneck Cover

Die Sturheit der Lungen

Die Großmutter bricht den Hühnern den Hals. Der Großvater schimpft auf die Schwulen im Fernsehen. Die Familie schweigt sich beim Abendessen an. Ricardo Domeneck nimmt uns mit in den Kosmos seiner Kindheit — Provinz São Paulo der siebziger und achtziger Jahre, Kolonialerbe, die vielen kleinen und manchmal großen Gewalten des Familienlebens.

»Die Sturheit der Lungen« ist Ricardo Domenecks zweite im Verlagshaus erscheinene Gedichtsammlung in deutscher Übersetzung. Die Gedichte wurden in die deutsche Sprache übertragen von Odile Kennel und illustriert von Katja Hoffmann.

Ricardo Domeneck
Verlagshaus Berlin
Odile Kennel
Odile Kennel
Katja Hoffmann

978-3-919320-21-5
Edition Polyphon

25,00 €
Enthält 7% MwSt.

>Art.-Nr.: 978-3-910320-14-7-1

Erscheint am: 2026-10-20

Verfügbar Kostenloser Versand* Lieferzeit 3-4 Werktage

Die Großmutter bricht den Hühnern den Hals. Der Großvater schimpft auf die Schwulen im Fernsehen. Die Familie schweigt sich beim Abendessen an. Ricardo Domeneck nimmt uns mit in den Kosmos seiner Kindheit — Provinz São Paulo der siebziger und achtziger Jahre, Kolonialerbe, die vielen kleinen und manchmal großen Gewalten des Familienlebens.

Aus dem Abstand von Jahrzehnten und von tausenden Kilometern lassen seine Gedichte ein Universum auferstehen, in dem Tote und Lebende koexistieren, Menschen und Tiere, Mythen und Moderne. Es geht um den Schmerz am Totenbett des Vaters, vor dem man sich nie geoutet hat, um Begehren und den Verlust des Geliebten, um Armut und Migration, um die Präsenz von Afrikanischen und Indigenen Kulturen in der portugiesischen Sprache und um die Frage, wie viel von dem, was uns formte, wir überhaupt in Sprache fassen können.

Ricardo Domeneck ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Stimmen der brasilianischen Literatur und hat queerer Lyrik in Brasilien — und weit darüber hinaus — eine Sprache verliehen, die es vorher nicht gab: Direkt, lakonisch, humorvoll legt er den Finger in die Wunde(n), ohne zu verurteilen. Seine Gedichte zeigen eine Utopie auf: die Widersprüchlichkeit dieser Welt nicht aufzulösen, sondern die Welt für alle bewohnbar zu machen.

*
RICARDO DOMENECK wurde in Bebedouro, Brasilien, geboren. Seit 2002 lebt er in Berlin, wo er als Dichter, Prosaautor, Essayist, Performer und bildender Künstler tätig ist. 2015 erschien sein erster Gedichtband in Brasilien. In Deutschland erschien mit „Körper: ein Handbuch“ (Verlagshaus Berlin 2013, übersetzt von Odile Kennel) eine Anthologie seiner Gedichte. 2025 erschien die Erzählung, „Hin und wieder schreibt mir der Erzbischof“ (Merve 2025, übersetzt von Beatrice Faßbender). Darüber hinaus hat Ricardo Domeneck Anthologien in USA, Spanien, Niederlanden und Portugal herausgegeben. Er arbeitete mit Musikern wie Kreidler, Lea Porcelain, Markus Nikolaus, Ghosts & Errors, Thiago Pethit und Tetine sowie mit bildenden Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Heinz Peter Knes, Adriano Costa, Béla Pablo Janssen und David Schiesser zusammen. Für sein Werk erhielt er den Jabuti-Preis der Câmara Brasileira do Livro und den Alphon-sus-de-Guimaraens-Preis der Nationalbibliothek – die wichtigsten Literaturpreise Brasiliens.
*
ODILE KENNEL lebt in Berlin als Lyrikerin und Übersetzerin vorwiegend zeitgenössische Lyrik aus dem Französischen, Portugiesischen, Spanischen, Englischen. Beim Verlagshaus Berlin erschienen von ihr zuletzt der Essay Lust (2021) und der Lyrikband „Irgendetwas dazwischen“ (2023), für den sie 2024 mit dem Dörlemann-zuSatz-Preis der Hotlist der Unabhängigen Verlage ausgezeichnet wurde. 2025 publizierte sie im Eigenverlag „Hasentage“ (zusammen mit Jan Beumelburg). Neuste Übersetzungen: be rgb. „Geliebte Monster“ (Elif Verlag 2025), Lisette Lombé. „Brennen Brennen brennen“ (Assoziation A 2024), Margarida Vale de Gato: „Die nicht reklamierten Reste“ (hochroth 2021). 2022 erhielt Odile Kennel für ihre Lyrikübersetzungen den Paul-Scheerbart-Preis.
*
KATJA HOFFMANN ist freischaffende Künstlerin und Pädagogin und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Kunst und Germanistik in Erfurt. In ihren monochromen Zeichnungen und Illustrationen, die häufig surrealistisch wirken, erscheint die Grenze zwischen Traum und Realität fließend. Die feinen Linien, aus denen sie ihre Bildwelten schafft, vermischen Pop mit kunsthistori-schen Vorgängen und erinnern häufig an Kupferstiche oder japanische Drucke. Im Bildmittel-punkt steht häufig die Frau. Aktuelle Ausstellungen 2026: Surreal World II (Hotel Lindenufer, Berlin) und Surreal World III (Kulturzentrum Triebwerk, Erfurt). Im Verlagshaus Berlin illustrierte sie 2022 den Band Pandoras Playbox von Anna Julian Mendlik.

Diese Produkte werden oft zusammen bestellt Die Sturheit der Lungen von unseren Kunden