

Dan Thy Nguyen folgt in seinem Essay der Spur der deutschen Grammatik durch seine Familiengeschichte hindurch – und schließlich hinein in seine Gedichte. Die Brüche, die sich dabei auftun, sind immer auch Unmöglichkeiten der deutschen Sprache, Ungereimtheiten, die keinen Sinn ergeben. Wenn ein Trauma, das nicht selbst erlebt wurde, in Träumen zurückkehrt, kann man Sprache dann überhaupt in Zeiten ordnen? Wenn das Bergwerk, in dem der Vater arbeitet, eine Metapher für Zeitschichten ist, warum ist das Graben in der Geschichte ein Tabu?
Nguyen zieht die vietnamesische Grammatik zum Vergleich heran — so lässt er die unmöglichen, sinnlosen Geschichten folgerichtig erscheinen. Grammatik wird zum poetischen Motor, das Vietnamesische scheint durch das Deutsche hindurch: Nguyen erschreibt sich im Deutschen wider das Deutsche einen Weg in die Dichtung.
Dan Thy NguyenErscheint am: 2026-09-14
DAN THY NGUYEN ist freier Regisseur, Sänger, Schauspieler und Schreiber in Hamburg. Er arbeitete an verschiedenen Produktionen an Häusern wie z. B. Kampnagel Hamburg, Mousonturm Frankfurt, der Freien Akademie der Künste Hamburg und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Jahr 2014 schuf er das Stück »Sonnenblumenhaus« über die rassistischen Unruhen in Rostock-Lichtenhagen 1992. Das Audiostück »Sonnenblumenhaus« gewann im Jahr 2015 den Hörspielpreis Hörnixe. Seine neuen Arbeiten nehmen Bezug zum Aufstieg der Neuen Rechten in Europa und der Idee des Wahnsinns aus einer russisch-asiatischen Perspektive. 2020 gründete er das Hamburger Festival »fluctoplasma« – 96h Kunst, Diskurs, Diversität. 2021 erhielt er gemeinsam mit dem gesamten Ensemble den Deutschen Hörspielpreis für die beste Performance bei der Produktion »Atlas«.