

Dan Thy Nguyen folgt in seinem Essay der Spur der deutschen Grammatik durch seine Familiengeschichte hindurch — und schließlich hinein in seine Gedichte. Die Brüche, die sich dabei auftun, sind immer auch Unmöglichkeiten der deutschen Sprache, Ungereimtheiten, die keinen Sinn ergeben. Wenn ein Trauma, das nicht selbst erlebt wurde, in Träumen zurückkehrt, kann man Sprache dann überhaupt in Zeiten ordnen? Wenn das Bergwerk, in dem der Vater arbeitet, eine Metapher für Zeitschichten ist, warum ist das Graben in der Geschichte ein Tabu?
Nguyen zieht die vietnamesische Grammatik zum Vergleich heran — so lässt er die unmöglichen, sinnlosen Geschichten folgerichtig erscheinen. Grammatik wird zum poetischen Motor, das Vietnamesische scheint durch das Deutsche hindurch: Nguyen erschreibt sich im Deutschen wider das Deutsche einen Weg in die Dichtung.
Dan Thy NguyenErscheint am: 2026-09-15
DAN THY NGUYEN arbeitet als freier Kurator, Sänger, Schauspieler und Autor in Hamburg. Er arbeitete u. a. für den MDR, die Bundeskunsthalle Bonn, die Stiftung Historische Museen Hamburg und die Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. 2014 entwickelte er das Stück »Sonnenblumenhaus« über die rassistischen Unruhen in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992, welches 2015 mit dem Hörspielpreis »Hörnixe« ausgezeichnet wurde. In neueren Arbeiten widmet sich Nguyen Themen wie dem Aufstieg der Neuen Rechten in Europa oder der Idee des Wahnsinns aus einer russisch-asiatischen Perspektive. 2020 gründete er das Hambur-ger Festival »fluctoplasma — 96h Kunst, Diskurs, Diversität.« 2021 wurde er für die Produktion »Atlas« mit dem Deutschen Hörspielpreis für die beste Performance ausgezeichnet.