Oliver Hummel

Oliver Hummel, langer Wegbegleiter und Freund des Verlagshauses hat uns von Beginn an begleitet. Er zeichnete für unsere damalige Zeitschrift »Belletristik« und illustrierte »Bodenpersonal« von Björn Kuhligk – eines unserer ersten Bücher. Er studierte Kommunikationsdesign in Würzburg und arbeitet aktuell als Grafiker und Illustrator in München. Ein Abstecher in die Welt der Werbung hat ihn von der genormten Produktpräsentation zur freien Grafik, überwiegend im kulturellen Bereich, gebracht. Fotografie, Layout, das Gestalten von Plakaten, LP- und CD-Covern und das Illustrieren von Büchern steht nun im Mittelpunkt seiner Arbeit, für die ausschließlich Bilder aus dem eigenen Repertoire verwendet werden. 

Das Hummelgrafik-Portfolio reicht von Kinderbuch-Illustrationen und Auftritten für das Internationale Filmfestival Würzburg über Kurzfilme für den Sender Arte, dem Illustrieren von Craft Beer-Etiketten bis hin zu zahlreichen Platten-Covern und der Gestaltung von Filmplakaten. Seine Illustrationen wurden u.a. in München, Berlin, Würzburg und Ebern ausgestellt.

Illustrationen: Oliver Hummel

Der unter seiner Mitwirkung entstandene, collagierte Kurzfilm „Wie die Familie Sonnenschein einmal mit der Hilfe vom lieben Gott dem Regen entkam“ erhielt mehrere Nominierungen und war Gewinner des unterfränkischen Jugendfilmpreises sowie des Publikumspreises beim bayerischen Jugendfilmfestival. Aktuell unterstützt er den Münchner Filmemacher Carsten Degenhardt bei seinem engagierten Filmprojekt „Finsternis“.

Illustration: Oliver Hummel

Plakat für das Filmprojekt »Finsternis«

Im Verlagshaus Berlin erschien 2019 der Band »protokolle der gegenwart« mit Texten von Sandra Gugić und Illustrationen von Oliver Hummel. In ihrem Lyrikdebüt bewegt Sandra Gugić sich entlang der Oberflächen und Tiefenströmungen der Gegenwartssprache. Sie greift in die Struktur der Sprache ein, transformiert Syntax, seziert Syntagma, schneidet Wortmaterial zusammen. Wenn der Wortstrom ins Stocken gerät, bricht die Oberfläche zu Wortketten auf, die in die Tiefenstruktur vordringen. In seinen Zeichnungen zu den Texten stellt Oliver Hummel diese Gewaltsamkeit der Sprache gleichzeitig aus und durchkreuzt sie. Collagierte Tuschzeichnungen, schattenhafte Strukturen auf fragmentierten Körper stellen sich dem mitreißenden Sprachstrom der Texte. Für eine neue Ausgabe der »Blackbox« haben wir Oliver Hummel eingeladen, über seine Arbeit zu sprechen!
Vorhang auf für OLIVER HUMMEL!

Illustration: Oliver HummelIllustration: Oliver HummelIllustration: Oliver Hummel

Illustration: Oliver HummelIllustration: Oliver Hummel

Illustrationen für »protokolle der gegenwart« (Verlagshaus Berlin, 2019) / Gedichte von Sandra Gugić

→ Wie entsteht eine Illustration?
Zu Beginn benötige ich inhaltlichen und emotionalen Zugang zum Text, der Musik oder was auch immer bebildert werden soll. Bei einem Buch suche ich verbindende Details, Dinge, die sich mir optisch aufdrängen, die sich als roter Faden durch das Werk ziehen und die als ein guter Aufhänger für die Illustrationen dienen können. Im Anschluss wird viel skizziert, gemalt, verworfen, experimentiert und am Ende eine Auswahl getroffen, die den Stil und die Richtung vorgibt, mit der ich weiterarbeiten kann.

→ Wie würdest Du Deinen Stil beschreibend mit welchem Material arbeitest Du am liebsten?
Ich denke, ich habe gar keinen eigenen Stil. Ich möchte mich da auch nicht festlegen, da Stil oft irgendwelchen Trends unterliegt und nicht jeder Stil zu allen Inhalten passt. Das lässt mich sehr viel freier arbeiten und gibt mir immer wieder die Gelegenheit mich auf etwas Neues einlassen zu können. In der Regel zeichne oder male ich analog und die Kolorierung, Feintuning und zum Teil auch die Komposition entsteht dann am Rechner.

Illustration: Oliver HummelIllustration: Oliver Hummel

→ Wie näherst Du Dich der Illustration von Gedichten?
Ich versuche den Inhalt, die Form und den Rhythmus zu erfassen und mich komplett darauf einzulassen. Im nächsten Schritt mache ich mir Gedanken zur Art und Weise der Umsetzung. Was passt am besten zu dem Text? Ist der Text grob, filigran, direkt, sperrig, zärtlich, brutal etc.? Hierfür gibt es viele verschiedene Möglichkeiten und dementsprechend versuche ich die Form der Illustration anzupassen oder genau ins Gegenteil zu verkehren, wenn das die Wirkung des Textes noch unterstreicht. Um zwischen Text und Bild Spannung entstehen zu lassen, versuche ich dem Ganzen etwas hinzuzufügen und den Text nicht Eins zu Eins abzubilden.

→ Was macht Buchillustration für Dich besonders?
Die Buchillustration hat die sensible Aufgabe, der Phantasie der Betrachtenden nicht zuviel vorwegzunehmen. Sie muss offen und interpretierbar bleiben. Wenn das gelingt, entsteht etwas Neues, eine Verknüpfung, ein Spannungsfeld zwischen Wort und Bild, das im Idealfall eine zusätzliche Ebene generiert.

Illustration: Oliver HummelIllustration: Oliver Hummel

→ Gibt es gesellschaftliche Themen, die Dich in Deiner künstlerischen Arbeit besonders interessieren?
Interessant wird es meistens, wenn der Blick nicht stereotyp ist, wenn also eine neue oder andere Sichtweise auf die Dinge zugelassen wird. Eine Gesellschaft misst sich auch daran, wie ihr Umgang mit Menschen ist, die nicht der vermeintlichen Norm entsprechen. Deren Blick und Empfinden interessiert mich, insbesondere dann, wenn es keine Betrachtung von außen ist.

→ Für wen würdest Du nie illustrieren?
Für Dominik Ziller. 
Im Ernst, für das rechte Geschwärtel und deren Wegbereiter. Generell lehne ich jede Form von Diskriminierung ab, auch wenn sie mir als noch so edgy, provokativ ironisch oder Szene-immanent verkauft wird. Außerdem denke ich, es sind auch nicht alle Inhalte adäquat illustrierbar. Ich glaube manche Texte würden durch Illustrationen sogar schwächer werden.

→ Für welche Künstler*innen oder Autor*innen würdest Du gern ein Projekt realisieren?
Dead or alive: Shirley Jackson, Nikolai Gogol, Mark Z. Danielewski, Antonjin Frey, M.R. James, Elena Poniatowska, Maria Luisa Mendoza, Pierre Boulle, Bikini Kill und His Hero is Gone.

→ Wieviel ist für Fame, wieviel für Fortune?
Im Idealfall 50/50. Ich bin allerdings auch in der glücklichen Situation, durch meinen zweiten Job nicht ausschließlich von meiner Grafik leben zu müssen. Das bedeutet, dass ich sehr viel entspannter und ohne Druck arbeiten kann.

→ How much is the Fish?
Ich sage es mal so, ich interessiere mich zwar für Geld, aber Geld interessiert sich nicht für mich.

Mehr zu Oliver Hummel

Protokolle der Gegenwart / Verlagshaus Berlin, 2019

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