(Foto: © Maximilian Probst)

Martina Liebig lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Hamburg. Im November 2017 schloss sie erfolgreich ihr Masterstudium an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg ab. Ihre Arbeiten sind inspiriert von Pflanzen und Tieren, von nostalgischen Gegenständen und von den Menschen, die sie umgeben. Ihre Illustrationen sind vielschichtig aufgebaut und beleuchten durch Querverweise immer mehrere Aspekte einer Thematik. Detailreich laden sie den Betrachter zum Verweilen ein. Ihre Illustrationen wurden in Ausstellungen in Deutschland, Italien, Frankreich, Taiwan und Japan gezeigt. Im Frühjahr 2018 wurde sie mit dem illustrierten Buch ihrer Masterthesis für den deutsch-französischen ­Jugend­literaturpreis nominiert. Für das Verlagshaus Berlin hat sie den Band Hors Texte von Odile Kennel illustriert, der im Frühjahr 2019 erschienen ist. Vorhang auf für Martina Liebig!

→ Wie entsteht eine Illustration?
Die Skizzen- und Ideenfindung dauern bei mir am längsten. Meistens setze ich mich zuerst mit dem ausgedruckten Skript in den Garten und lese. Den Bleistift habe ich parat, um intuitiv, egal wie banal die erste Idee sein mag, schon einmal kleine Skizzen an die Textpassagen zu setzen, um später wieder darauf zurückzukommen. Nach dem ersten Durchgang mache ich etwas anderes und lese den Text zu einem späteren Zeitpunkt des Tages erneut. Oft erkenne ich dann, ob die ersten Skizzen geeignet sind oder nicht. Dann überlege ich mir visuell ansprechende Allegorien und Symbole für die einzelnen Passagen und recherchiere dazu im Internet und in Büchern. Ist der Text kurz, versuche ich das Überthema zu definieren, die Bedeutung zu filtern, welche die Autor_innen im Sinn gehabt haben könnten, um daraus eine Idee für die Illustration zu entwickeln. Ab dem Zeitpunkt geht dann alles relativ schnell. Sobald ich mich für eine Skizze entschieden habe, arbeite ich meine Zeichnung am Computer aus, damit sie gut auf dem Blatt steht und mache anschließend die Reinzeichnung analog mit dem Bleistift.

→ Mit welchem Material arbeitest Du am liebsten und wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Für unterschiedliche Projekte arbeite ich mit unterschiedlichen Materialien. Mein liebstes Werkzeug ist aber der Bleistift. Mein Stil ist fantasievoll, verspielt, mit dem Fokus auf einer handwerklich guter Zeichnung.

→ Wie näherst Du Dich der Illustration von Gedichten?
Ähnlich, wie ich es zur Frage »wie entsteht eine Illustration?« beschrieben habe. Bei einem Gedichtband, wie Hors Texte von Odile Kennel, den ich illustrieren durfte, achte ich zusätzlich noch auf Symbole, die im Buch wiederkehrend sind. In diesem Fall habe ich mit geometrischen Formen und Weißräumen gespielt oder Elemente aus dem Text einen Bogen schlagen lassen, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgetauchen.

→ Was macht Buchillustration für Dich besonders?
Die Langlebigkeit des Projekts. Das Buch selbst, das man später in den Händen hält und die verschiedenen Ebenen, auf denen in diesem Medium erzählt werden kann.


→ Gibt es gesellschaftliche Themen, die Dich in Deiner künstlerischen Arbeit besonders interessieren?
Diese Themen gibt es natürlich, aber die verarbeite ich nicht in meinen Illustrationen.

→ Was oder für wen würdest Du nie illustrieren?
Für Firmen/Kunden die nicht mit meiner Moralvorstellung übereinstimmen.

→ Mit welchen Künstler_innen würdest Du gern ein Projekt realisieren?
Mein nächstes freies Projekt darf ich mit meinem Partner zusammen realisieren. Darauf freue ich mich schon sehr. Er ist Fotograf und wir haben bereits 2017 ein Heft zusammen gestaltet und selbst publiziert. Nun folgt unser nächstes Projekt mit Ausstellung im November dieses Jahres. Außerdem arbeite ich aktuell mit einer Autorin zusammen an einem Kinderbuch. Das empfinde ich gerade als sehr spannend und schön und es nimmt viel meiner Zeit in Anspruch.

→ Wieviel ist für Fame, wieviel für Fortune?
Das hält sich die Waage. Ich zeichne immer wieder für Projekte, die nicht so gut vergütet sind, wenn sie mich wirklich interessieren, für einen guten Zweck sind oder mich persönlich weiter bringen. Aber diese Projekte sind sehr ausgewählt. Dann gibt es Jobs, die ich zeichnen muss, weil sie mich finanzieren. Am besten ist es aber, wenn Beides zusammen kommt. Dann habe ich keine Sorgen um Geld und darf mich voll ausleben, weil mir vertraut wird. Das empfinde ich als ideal.

→ How much is the Fish?
So viel wie das Projekt wert ist.


→ Mehr zu Martina Liebig


 

Hors Texte
Illustrationen: Martina Liebig

Comments are closed.