»Skizzieren, Notieren und immer wieder Anderes ausprobieren« – das ist für Lilli Gärtner die Herangehensweise an eine Illustration. Sie studierte Bildende Kunst und Illustration in Hamburg und in Baltimore (USA). Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als freiberufliche Zeichnerin in Berlin. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Berlin, Hamburg, Brüssel, Moskau und Lissabon ausgestellt.

Für das Verlagshaus Berlin illustrierte sie 2014 den Band »Mittwacht« – rauhe kantige Prosa von Thomas Podhostnik begleitet von ihren scheinbar leichtfüßigen Illustrationen.

Aktuell arbeitet sie an Illustrationen zu Venedig-Gedichten von Carl-Christian Elze, welche im Herbst 2018 im Verlagshaus Berlin erscheinen werden. Hier hat sie zum ersten Mal alle Ideen am Rechner umgesetzt. In unserem Gespräch über Illustrationen, Arbeitsweisen und Geld erzählt sie, dass sie in ihrer Arbeit immer die Herausforderung sucht und Neues wagt. Vorhang auf für Lilli Gärtner!

Mittwacht / Illustration: © Lilli GärtnerMittwacht / Illustration: © Lilli Gärtner

Mittwacht / Illustration: © Lilli GärtnerMittwacht / Illustration: © Lilli Gärtner

 

»Mittwacht« / Illustrationen von Lilli Gärtner

→ Wie entsteht eine Illustration?
Mein Anspruch an Illustration ist, dass sie nicht nur den Text reflektiert, sondern auch alleine gesehen werden kann. Deswegen distanziere ich mich gerne von allzu konkreten oder ersten Ideen, die aufkommen, wenn ich einen Text gelesen habe. Das bedeutet eine Menge Skizzieren, Notieren und Sacken-lassen und immer wieder Anderes ausprobieren. Manchmal komme ich dann doch wieder zurück zur ersten Idee, wenn sie mir besonders komisch vorkam und nicht mehr aus dem Kopf geht.

→ Mit welchem Material arbeitest Du am liebsten und wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Um mich nicht zu langweilen, probiere ich, wenn Zeit ist, gerne etwas Neues aus. Für das im Herbst erscheinende Buchprojekt mit Carl-Christian Elze habe ich zum ersten Mal alles am Rechner gezeichnet. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Es ist anstrengend und schön zugleich. Mir fehlt allerdings der Bleistift sehr, mein liebster Begleiter – also kehre ich bestimmt teilweise zum Analogen zurück. Zur Zeit würde ich meinen Stil als detailliert, Marmor-lastig und kitschig beschreiben.

→ Wie näherst Du Dich der Illustration von Gedichten?
Die Illustration von Gedichten stellt eine besondere Herausforderung dar, weil Gedichte für mich selbst schon Bilder sind. Ich lese also die Texte mehrmals, lege sie dann zur Seite und versuche Teile des Erzählten anders darzustellen. Oft entstehen dann parallel-Narrative, wie in »Mittwacht« (Kooperation mit Thomas Podhostnik, Verlagshaus Berlin, 2014) oder Bilder, die ein ähnliches Gefühl wie das zur Lyrik beim Betrachter hervorrufen wollen.

Mittwacht / Illustration: © Lilli GärtnerMittwacht / Illustration: © Lilli Gärtner

Mittwacht / Illustration: © Lilli Gärtner

 

»Mittwacht« / Illustrationen von Lilli Gärtner

→ Was macht Buchillustration für Dich besonders?
Man hat Zeit und arbeitet für ein wertiges Produkt. Die Arbeit ist oft sehr intensiv und man trägt sie überall mit sich herum, das gefällt mir sehr gut.

→ Gibt es gesellschaftliche Themen, die Dich in Deiner künstlerischen Arbeit besonders interessieren?
Ich interessiere mich sehr für zwischenmenschliche, zwischentierische und Tier-Mensch-Beziehungen.

→ Was oder für wen würdest Du nie illustrieren?
Das weiß ich erst, wenn es soweit ist. Bisher fand ich es immer gut, auch Dinge zu illustrieren, die mich im ersten Moment überfordert haben.

Venedig / Illustration: © Lilli GärtnerVenedig / Illustration: © Lilli GärtnerVenedig / Illustration: © Lilli Gärtner

 

»Venedig« (Verlagshaus Berlin, Herbst 2018) / Illustrationen von Lilli Gärtner

→ Mit welchen Künstler_innen würdest Du gern ein Projekt realisieren?
Es gibt viele Künstler_innen, die mich begeistern. Zur Zeit arbeite ich mit der Autorin Olivia Wenzel an einem Kinderbuch. Das ist eine schöne Zusammenarbeit, die mich sehr glücklich macht.

→ Wieviel ist für Fame, wieviel für Fortune?
Witzigerweise ist dies die Grundstruktur meiner Webseite. Ich bemühe mich, die Waage zu halten, merke aber, dass ich am meisten Spaß bei meinen Fame-Projekten habe. Ich kenne allerdings niemanden, bei dem es nicht genauso ist. Geld ist eine hässliche, aber notwendige Sache.

→ How much is the Fish?
Fünf Euro.

www.lilligaertner.de

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