Gerlinde Meyer

In unserer neuen Reihe in der Blackbox stellen wir euch die kreativen Köpfe hinter den Zeichnungen in unseren Büchern vor.

Die Illustratorin Gerlinde Meyer lebt und arbeitet als freie Grafikerin und Illustratorin in Leipzig. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst hat sie Grafikdesign/Buchkunst studiert und viel Zeit in der Druckwerkstatt verbracht. In Frankreich hat sie eine Hütte gebaut, in einem tschechischen Schloß einen Winter verbracht, die Alpen mit dem Fahrrad bezwungen und immer Holzschnitte gemacht.

Für das Verlagshaus Berlin illustrierte sie die Erzählungen von Alexander Graeff in dem Band »Kebehsenuf« (Verlagshaus Berlin, 2014).
Vorhang auf für Gerlinde Meyer!

Kebehsenuf / Illustrationen: @ Gerlinde MeyerKebehsenuf / Illustrationen: @ Gerlinde Meyer

Kebehsenuf / Illustrationen: @ Gerlinde MeyerKebehsenuf / Illustrationen: @ Gerlinde Meyer

»Kebehsenuf« / Illustrationen von Gerlinde Meyer

→ Wie entsteht eine Illustration?
Etwa so: lesen, wirken lassen, grübeln, recherchieren, entspannen, Rad fahren, spielen, spinnen, probieren … weiter … bewegen, machen, weggehen, wiederkommen, entscheiden, fertigmachen, loslassen, freuen.

→ Mit welchem Material arbeitest Du am liebsten und wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Meine besten Freunde sind Bleistifte, Schnitzwerkzeuge und Tusche. Mir wurde mal gesagt, mein Stil sei »poetisch streng«. Ich weiß nicht, ob es das trifft, aber es gefällt mir.
Ich mag die händische Strenge und das etwas Verschobene. Stilistisch fühle ich mich frei und habe immer wieder Lust, neue Sachen, Materialien, Techniken und Formate zu erobern. Gern löse ich Illustration von ihrem klassischen Platz im Buch und arbeite an Wänden, Fenstern und mit Gegenständen – komme aber immer wieder zum Holzschnitt und Siebdruck zurück.

Illustration: © Gerlinde Meyer

Illustration von Gerlinde Meyer

→ Wie näherst Du Dich der Illustration von Gedichten?
Die Sprache und der Aufbau faszinieren mich an Gedichten. Durch wenige ausgewählte Worte entsteht eine ganz bestimmte Dynamik, die sehr nah zur Zeichnung und dem Strich steht. Diese Nähe umzusetzen, übt einen großen Reiz auf mich aus.

→ Was macht Buchillustration für Dich besonders?
Bücher zu illustrieren ist für mich eine der schönsten Aufgaben! Ich erschaffe eine in sich abgeschlossenen Welt zwischen zwei Buchdeckeln. In meinen Zeichnungen nähere ich mich den Ideen der Autor_innen – das ist eine große Freude und auch eine Art Verwandtschaft.

Illustrationen: © Gerlinde MeyerIllustrationen: © Gerlinde Meyer

Illustrationen von Gerlinde Meyer

→ Gibt es gesellschaftliche Themen, die Dich in Deiner künstlerischen Arbeit besonders interessieren?
Es gibt viele Themen, die mich interessieren: das Fremde und Unbekannte, das Ähnliche, Brüche … Einflüsse aus der Natur, der Forschung und anderen Kulturen fließen in meine künstlerische Arbeit hinein. … Auch Reihungen von verwandten Objekten finde ich spannend: Hütten, Automaten, Zäune, Buchstaben und ähnliches – so etwas Abstraktes, in dem sich das ganz Konkrete wieder finden lässt. Für mich bieten diese Themen großen Interpretationsspielraum und haben eine interessante optische Wirkung.

→ Was oder für wen würdest Du nie illustrieren?
Für Menschen mit ganz kruden Ideen im Kopf, sowohl politisch als auch kommerziell!

→ Mit welchen Künstler_innen würdest Du gern ein Projekt realisieren?
Es gibt viele Menschen, die ich schätze. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mit meinen Held_innen zusammenarbeiten möchte. Einmal im Jahr habe ich gemeinsam mit zwei Kolleg_innen das Glück, Gastzeichner_innen für unser Kalenderprojekt einladen zu dürfen. Die Entscheidung ist nie einfach! Und ich bin immer sehr neugierig darauf, was entstehen wird.

Illustrationen: © Gerlinde MeyerIllustrationen: © Gerlinde Meyer

Illustrationen: © Gerlinde MeyerIllustrationen: © Gerlinde Meyer

Illustrationen von Gerlinde Meyer

→ Wieviel ist für Fame, wieviel für Fortune?
Ich denke selten über Fame und Fortune nach, weil es nicht planbar ist. Wenn ich eine Idee mag, dann versuche ich, sie umzusetzen. Bei manchen Projekten, die nur für den Ruhm gedacht sind, entwerfe ich nebenbei eine Auflage von Grafiken, die ich auch ausstellen oder verkaufen kann. Ich mag es allerdings nicht, wenn mir etwas als Fame verkauft wird und ich einfach nur seeehr viel Arbeit habe!

→ How much is the Fish?
Oh, ich hab alles Mögliche im Netz: Sprotten, Neunaugen, gemeine Fuchshaie, Meerengel, Blondrochen, Silberbeile, Molukkenbarben, Schleimköpfe, glatte Flötenfische und Bartmännchen. Bei ganz dicken Fischen ist mir bislang immer die Angelschnur gerissen. Daher gibts bei mir Fischsoljanka.

www.gerlindemeyer.de

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