1. Es gibt ein Schreiben mit und durch Sound. Es gibt Sound Writing.
  2. Schreiben ist keine Angelegenheit, die auf Griffel oder Gänsekiel beschränkt ist, Aufzeichnungssysteme gestalten sich vielfältig. in Mittel, Medien, Machart und Material.
  3. Elektro-Akustische Produktions- oder Aufzeichnungsweisen sind Schreibweisen im Sinne des Sound Writing.
  4. Elektro-akustische Produktions- oder Aufzeichnungsweisen verlangen differente Lektürepraktiken im Sinne des Sound Writing.
  5. Hören und Zuhören sind ästhetische Rezeptionsweisen und somit auch als eine Art Lektüre angelegt.
  6. Sound Writing geht von der Materialität der Sprache aus und versteht sich als Sprachkunst, die akustische Inhalte, Narrative und Bedeutungen sowohl generiert als auch transportiert.
  7. Sound Writing ist eine Praktik, die Sound als ein Text konstituierendes Element versteht.
  8. Sound Writing ist eine Textform, deren Genese sich auf die performativen und klanglichen Aspekte der Texte konzentriert und diese nicht als peripheres Beiwerk oder eine andere Interpretationsweise verstanden wissen will.
  9. Die Form des Sound Writing kann in einer (Sound-)Performance, einer (elektro-akustischen) Aufnahme, medialen/digitalen Produktionstechniken, Coding/Programmierung oder einer anderen klanglichen Verwendungsart von Texten bestehen.
  10. Sound Writing fokussiert sich auf den Schreibprozess und nicht das Schreibprodukt. Sound Writing ist aufgrund seiner Reflexion und der Konzentration auf die Aufzeichnung ein textuelles Klangkunstwerk, das perennierend ensteht, ebenso wie es eine Textentstehung darstellt, die hörbar ist oder hörbar gemacht wird.
  11. Sound Writing orientiert und organisiert sich an medialen Formen, durch und in denen es stattfindet.
  12. Sound Writing beschreibt spezifisch akustische, künstlerische Praktiken und Erfahrungen von Sound, die literarisch oder sprachlich sind oder von Literatur- oder Sprachpraktiken ausgehen.
  13. Literatur ist technisch und künstlerisch immer noch nicht im der zeitgenössischen, digitalen Medien- und Kunstsystem angekommen.
  14. Literatur bedarf einer medialen Erweiterung und einer technischen Weiterentwicklung innerhalb bestehender Produktions- und Rezeptionsweisen.
  15. Feldforschung als Untersuchung digitaler Schreibpraktiken und Kritik an einer einseitigen literarischen Produktionsforschung im Zeitalter der Digitalität, sind wichtige Aspekte einer möglichen Sound Writing-Forschung.
  16. Medienkünstlerische und digitale Aspekte des Schreibens kommen durch Sound Writing im Literatursystem an.
  17. Fragen nach Publikation, Ausstellung, Präsenzen, Körperlichkeit, Performativität können innerhalb der Sound Writing diskutiert werden.
  18. Sound Writing ist keine Anwendung von Literatur, sondern fördert und amplifiziert die Produktionsweisen von Literatur als künstlerische Form.
  19. Elektro-akustische Aufzeichnungssysteme sind nicht die Totenstunde der Dichtung, sondern die Geburtsstunde des Sound Writing.
  20. Wörter oder Sätze verwehen nicht im Klang, sondern können technisch aufgezeichnet werden.
  21. Sprechweisen und Sprachereflexion zeigen sich im Resonanzraum des Sound Writing.
  22. Die Beobachtung der elektro-akustischen Medien geschieht nicht durch die Suche nach literarischen Wahrheiten, sondern durch die Frage nach ihren Effekten und der Wandelbarkeit von sprachlichen Sinnzusammenhängen.
  23. Sound Writing versteht sich im Sinne der „auditiven poesie“ (Gerhard Rühm), der Ansicht, neben dem mitkomponierten Sprachklang müsse auch ein Mehrwert (z.B. Sinn, Information) vermittelt werde, um eine Abgrenzung von anderen poetischen Schreibweisen zu rechtfertigen.
  24. Sound Writing erreicht den Körper, hält ihn aber nicht für überlegen oder prioritär in der Hervorbringung von Klang.
  25. Sound Writing ist keine Lautdichtung, sondern reicht über den Körper hinaus, indem sie sich mit diversen Aufzeichnungsmöglichkeiten auseinandersetzt.
  26. Sound Writing ist kein Hörspiel, kein Libretto, nicht „Lyrik und Musik“ und schon gar micht „musikalische Illustration der Sprache“ etc.
  27. Sound Writing kann ein Konzept sein.
  28. Sound Writing kann konzeptuell angelegt sein. Rille, Chip, Band und andere Träger und Speicher von Ton können Grund, Anlass, Auseinandersetzung, Infragestellung, Instrument, Information, Archiv, Prozessieren von Sound Writing sein. Buchseiten sind ein anderer Raum.

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Published on: 31. August 2017
Erstellt von Verlagshaus
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