Das Reale (für und mit und nach Godard) IV

DAS MODELL DES REALEN

Mann:
Ich liebe Sie, wenn Sie wissen, was ich meine.

 

Frau:
Bitte? Ich verstehe Sie nicht recht.

 

Mann:
Ich liebe Sie.

 

Frau:
Wer sagt das?

 

Mann:
Ich liebe Sie. Es ist ein Zitat. Eine Mundbewegung, Luft zwischen den Lippen.

 

Frau:
Ein Zitat? Sie sprechen, als ob Sie die Wahrheit zitierten.

 

Mann:
Von Ihm. Glauben Sie es?

 

Frau:
Ich habe das schon oft gehört. Wiederholen Sie es.

 

Mann:
Ich liebe Sie. Glauben Sie es?

 

Frau:
Manchmal.
Wenn Sie sich in mich verlieben, um so schlimmer für Sie, um so schlimmer für die Wirklichkeit.

 

Mann:
Ich muss es nur so lange wiederholen, bis das Gesprochene zum Bild wird. Zum Doppelbild, das sich in der Zeit verliert wie der Film.
Der Film hat keine Vergangenheit, hat also auch keine Zukunft.

 

Frau:
Wie unvernünftig wir Zuschauer sind, dass wir uns immer leichter von unseren eigenen Geschichten bewegen lassen, wenn sie uns in anderen Gestalten daherkommen.

Comments are closed.

Published on: 8. März 2017
Erstellt von Verlagshaus
Kommentare Comments are off for this post.