Blackbox 2017 – Was machen wir, wenn wir keine Bücher machen?

Als Blackbox bezeichnet man ein komplexes System, dessen innerer Aufbau und Funktionsweise weitgehend unbekannt sind. Von Interesse ist vielmehr das Verhalten der Blackbox, seine Wirkung nach außen. In den vergangenen 12 Jahren sind wir im Verlagshaus Berlin von einem kleinen Zeitschriftenverlag zu einem etablierten Verlagshaus gewachsen und haben alle relevanten Strukturen für die Wirkung unserer Blackbox aufgebaut. Wir konnten den Verlag und das, wofür er steht, nach außen positionieren, unsere Publikationen, unsere Autor_innen und Illustrator_innen sind bekannt. Nun wird es Zeit, das Innere des Systems zu betrachten, um den nächsten Schritt zu gehen. 2017 wagen wir also ein Experiment: Wir senden aus der Blackbox!

 

Von KraussEigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

 

2017 wird ein Jahr ohne Novitäten aus dem Verlagshaus Berlin. Dies war für uns eine ganz bewusste Entscheidung, denn Verlegen bedeutet unserer Meinung nach, nicht nur Büchermachen. Lektorat, Illlustration, Satzgestaltung und Produktion sind nur ein kleiner Teil des Verlagsgeschäftes – vor allem muss für diese Bücher auch ein Publikum begeistert werden. Mit unserer Kampagne »poetisiert euch« haben wir dieses Ziel in den letzten Jahren erfolgreich angesteuert. Um weiter zu wachsen und die Blicke auf jedes einzelne Buch zu lenken, ist es für uns wichtig, die Strukturen im Verlag neu zu justieren. Wir werden unser Engagement verstärkt dafür einsetzen, unser Netzwerk aus Freund_innen, Förderern, Buchhändler_innen und Buchliebhaber_innen auszubauen. Wir werden gemeinsam mit Veranstaltungsorganisator_innen danach streben, größere Bühnen und Festivals zu bespielen. Wir werden unser internes Netzwerk stärken und gemeinsam mit unseren Autor_innen und Illustrator_innen für jedes einzelne Buch eigene Strategien entwickeln, um auch das Danach eines Buches besser planen zu können. Aber auch jenseits des Buches wollen wir fragen: Was wollen wir mit dem Verlagshaus erreichen? Wie wollen wir unsere Öffentlichkeiten nutzen? Schon seit langem betrachten wir das Verlegen nicht nur als künstlerische, sondern auch als politische Arbeit. Gerade hier möchten wir unser Engagement in den kommenden Jahren stärken.

Das alles braucht Zeit für Ideen und freie Köpfe – Räume, die wir im Alltagsgeschäft oft nicht eröffnen können. Ein Jahr ohne Novitäten schenkt uns Zeit und Räume, um uns auf interne Prozesse zu konzentrieren.

Natürlich haben wir uns im Vorfeld der Planung für dieses Jahr viele Fragen gestellt: Was macht man, wenn man keine Bücher macht? Was vertreten unsere Vertreter_innen von indiebooks und dem Vertreterbüro Würzburg in den Buchhandlungen, wenn es keine Novitäten gibt? Können wir Buchhändler_innen für Titel aus der Backlist begeistern? Wie sieht die Pressearbeit unserer Pressemitarbeiterin Stephanie Haerdle von Kirchner Kommunikation aus? Und werdet ihr uns auf der Buchmesse in Leipzig vermissen?

Die Pressearbeit wird sich vor allem auf die neuen Titel für das Frühjahr 2018 konzentrieren. Damit haben wir ein Jahr Planungsvorlauf – soviel wie noch nie!

Weitere Ideen sind in Planung, wir schmieden Pläne und und werden davon jeden Monat auf unserem Verlagsblog berichten. Wir erzählen über die verlegerische Arbeit, unseren eigenen Positionen und lassen vor allem unsere Verbündeten zu Wort kommen: Autor_innen und Illustrator_innen gewähren Einblicke in ihre Schreibwerkstatt, zeigen Skizzen und Entstehungsprozesse. Kurzum: Die BlackBox ist ein offenes System, wir lassen Sie teilhaben an den Wandlungsprozessen!

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Published on: 13. Januar 2017
Erstellt von Verlagshaus
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